Altdorf

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erstellt durch Ja-DV

Monika Weigl
Vom Bauernhaus zum Heimatmuseum

Erwerb, Umbau und Einrichtung des Museums Adlhoch-Haus

Im Jahr 1989 stand eines der ältesten Anwesen des Dorfes zum Verkauf. Die beiden Besitzerinnen Anna und Katharina Adlhoch waren kurz zuvor hochbetagt verstorben. Zum Grundstück mit Haus gehört auch ein Teil des „Oswald-Bergs - eine nahe Anhöhe, auf der vor vielen Jahrhunderten eine Burg stand.
Initiator für den Kauf des denkmalgeschützten Hauses war der damalige langjährige Kommunalpolitiker Franz Leneis, dem es ebenso wie Waltraud Brix von der Erbengemeinschaft und dem Hausforscher Prof. Otto Bauer ein großes Anliegen war, dieses Kleinod zu erhalten. Für dieses Vorhaben konnten der damalige Bürgermeister Franz Wilhelm und der Gemeinderat schnell gewonnen werden: Schon damals wurde daran gedacht, das „Adlhoch-Haus "genannte Gebäude als Wohnhaus und Museum zu nutzen. Es sollte das archäologische Erbe der Gemeinde ebenso aufnehmen wie landwirtschaftliche Situation um die Jahrhundertwende und einen Teil der Geschichte des Hauses und seiner Bewohner. So wurden einige der zahlreichen archäologischen Funde aus dem Gemeindegebiet im Keller untergebracht, lag doch auch das archäologische Erbe „unter der Erde." Die Ausstellungsstücke aus der Landwirtschaft hingegen fanden ihren Platz im Stall und im Scheunenbereich. Im Obergeschoß liegt der Schwerpunkt auf der Darstellung von Menschen bei verschiedenen Arbeiten. Außerdem wird ein Raum freigehalten für Wechselausstellungen.

Bei der Inangriffnahme der Planungs- und Sanierungsarbeiten stellte sich heraus, daß in dem 1464 erstmals erwähnten Anwesen vieles renovierungsbedürftig war. Diese Arbeiten übernahmen der Bauhof der Gemeinde und örtliche Betriebe. Dabei wurde mit dem Ausräumen des Kellers begonnen, der halb mit Erdreich verfüllt war. Es folgten die Trockenlegung der Hausmauern, der Einbau einer Treppe und das Einziehen von neuen Bretter-Holzböden im Obergeschoß. Das Verlegen von Ziegelböden im Stall, im Keller und am Kellerabgang war notwendig, ebenso die Installation sanitärer Anlagen für Museumsbesucher. Im zukünftigen Wohnbereich wurde ein modernes Bad eingerichtet, wurden Küche, Wohnstube und Hausgang renoviert sowie eine Heizung eingebaut.

Von dem aus Eiche gezimmerten Türrahmen im Keller konnte nach Entnahme von Holzproben eine dendrochronologische Untersuchung  vorgenommen und eine erste baugeschichtliche Datierung vorgenommen werden.  

Gartenbereich

Im hinteren Teil des Gartens, der sich zum Tal hin öffnet, wurde ein Bauerngarten angelegt: mit einem kleinen Kräutergarten, umrahmt von Buchsbaumhecken, und einem Wassergrand mit Handpumpe. Josef Scharf - ehemaliger Schuhmachermeister in Altdorf - zog als Mieter ins Haus ein und übernahm auch die Pflege des Gartens.


Backofen
Sanierungsarbeiten im Garten brachten die Grundmauern des ehemaligen Backofens zum Vorschein.
Eine Gruppe von Maurer-Berufsschülern und Fachlehrer Andreas Zierer errichteten an dieser ursprünglicher Stelle oberhalb des Hauses, wieder einen Backofen neu. Bei besonderen Anlässen wird hier wieder nach alter Weise Brot gebacken.
 




 

Das Museum nimmt Gestalt an

Schon die ersten Besuchstage im zukünftigen Museum, September 1994 und 1995 zum „Tag des Denkmals," stießen auf großes Interesse bei den Altdorfer Bürgern.

Im September 1995, nach der Gründung des Heimat- und Museumsvereins, übernahmen Mitglieder der Vorstandschaft die weitere Ausgestaltung des Hauses. In den folgenden Monaten wurde in vielen Stunden ehrenamtlicher Arbeit der gesamte Innenbereich eingerichtet. Es wurde viel in Bewegung gesetzt:

Erdgeschoß

  • Gestaltung des Eingangsbereiches
  • Ausstellung landwirtschaftlicher Geräte
  • Fotowand von Handwerkern mit deren typischen Werkzeugen

Obergeschoß 

  • Alte Haushaltsgeräte
  • Bauernmöbel
  • Nachgestellter Arbeitsbereich einer Störschneidernin
  • Austragsstüberl
  • Dokumentation der Haus- und Hofgeschichte Giebelbereich
  • Fotoausstellung von alten Ortsansichten aus Altdorf 

Der Keller ist der Archäologie gewidmet, den Funden, durch die mehrere Jahrtausende der Geschichte Altdorfs dokumentiert sind: von der Einwanderung der ersten Bauern um 5700 v. Chr. bis ins 8. Jahrhundert n. Chr., also dem frühen Mittelalter. Die Planung und Ausarbeitung der Exponatenschau in den Vitrinen und der begleitenden Texte übernahmen Dr. Bernd Engelhardt vom Landesamt für Denkmalpflege und Georg Waldemer von der „Landesstelle für Nichtstaatliche Museen" in München. 

Der Kellervorraum dient wechselnden Ausstellungen von Funden aus dem Gemeindegebiet.  Beispielsweise sind Funde zu sehen, die bei Feldbegehungen rund um Altdorf, Pfettrach und Eugenbach geborgen worden sind. Derzeit sind Kupfergegenstände bzw. Überreste davon zu sehen, die zu den ältesten in Bayern gehören.

Einzigartige Exponate finden sich in den Vitrinen, dazu Erläuterungstexte sowie Modelle von Ausgrabungen und vorgeschichtlichen Häusern. Auf einem großen Luftbild des Gemeindegebietes sind die Ausgrabungsstellen im Gemeindegebiet mit Lämpchen markiert, dazu wird die jeweilige Kultur vermerkt, aus der an dieser Stelle Funde geborgen worden sind.


Feierliche Eröffnung am 21. April 1996

Am Sonntag, 21. April 1996, wurde das Museum von Bürgermeister Franz Wilhelm eröffnet. Bei der Altdorfer Bevölkerung stieß dieses Ereignis auf größtes Interesse. Auch die regionalen Medien berichteten ausführlich über die Museumseröffnung/ bei der den Besuchern ein informativer Handzettel als erster kleiner Wegweiser durch das Museum an die Hand gegeben werden konnte.

An jedem letzten Sonntagnachmittag der Monate April bis Oktober ist das Adlhoch-Haus für das Publikum geöffnet, als Aufsichtspersonal sind jeweils Mitglieder des Heimat- und Museumsvereins tätig. Besuchergruppen können über die Gemeindeverwaltung auch Termine außerhalb dieser Zeiten für Führungen vereinbaren. Genaue Öffnungszeiten und Sonderausstellungen oder Veranstaltungen sind einem dem Museumsführer beigefügten aktuellen Informationsblatt zu entnehmen.

Auf großes Interesse bei Besuchern aus nah und fern sind immer wieder Aktionen gestoßen, die der Heimat-und Museumsverein organisiert hat: Sonderausstellungen/ Vorführungen von Handwerkstechniken, meist aus dem bäuerlichen Bereich, zum Beispiel Brotbacken/ Körbe flechten/ Eisenbearbeitung und alte Schmiedearbeiten, Vorführungen von Techniken der experimentellen Archäologie.

Als ein Publikumsmagnet -mit über 1000 Personen in nur zweieinhalb Wochen - erwies sich eine Handarbeitsausstellung im Oktober/November 1996, zu der viele Schulklassen und stickbegeisterte Frauen aus ganz Niederbayern kamen. 

Eines der ältesten Bauernhäuser Niederbayerns

Der aus Eiche gezimmerte Türrahmen im Keller ermöglichte, nach Entnahme von Holzproben, eine dendrochronologische Untersuchung und eine erste baugeschichtliche Datierung des Hauses.   (Dendrochronologie nennt man die Altersbestimmung von Holz anhand der Jahresringe von Bäumen.) Eine solche Maßnahme zur Datierung eines Bauernhauses ist außergewöhnlich und hat erbracht, daß das Adlhoch-Haus zu den ältesten Bauernhäusern in Niederbayern gehört, mit einer nun endgültigen Datierung in das Jahr 1547. 

Mit den Arbeiten für den laufenden Museumsbetrieb, der Inventarisierung und Archivierung der Objekte und der Führung von Schulklassen wurde von der Gemeindeverwaltung Monika Weigl als Museumsbetreuerin beauftragt.


Außerdem füllt der recht aktive Heimat- und Museumsverein das Museum mit Leben. Dessen Bemühungen sind durch verschiedenste Vorführungen und Ausstellungen geprägt. Auch Schulen werden immer wieder ins Museumsleben einbezogen. Im Rahmen der Vorführung von Techniken der experimentellen Archäologie wurden Schüler an Projekttagen z. B. mit der „Werkzeugtechnologie der Steinzeit" vertraut gemacht. Diese lebendige und anschauliche Form des Geschichtsunterrichts findet bei den Kindern großartigen Anklang. Die Kinder können selbst Hand anlegen und viele interessante Tätigkeiten ausführen: z. B. Schmuckscheiben aus Muscheln schleifen und mit einem Feuersteinbohrer durchbohren oder einen Lehmkuppelofen bauen. Das bietet ihnen die Möglichkeit, den schwierigen Alltag vor Jahrtausenden selbst zu erleben. Ein Museumsgarten in dem alte Getreidesorten und Nahrungsmittel der Jungsteinzeit wachsen, ermöglicht es ihnen, Geschichte mit allen Sinnen zu
erfahren.
         
           Boher und Steinbeil                

Obergeschoß

Störnäherei
Zum Andenken an Katharina Adlhoch, der letzten Bewohnerin des Hauses, die den Beruf der „Störnäherei" ausübte, ist der Arbeitsplatz einer Störnäherin nachgestaltet worden. Der Name Störnäherei oder Störschneiderei ist die Bezeichnung für eine Schneiderin, eine Näherin, die nicht in einer Werkstatt arbeitete, sondern zu den Leuten auf den Hof bzw. ins Haus kam. Deswegen sah der Arbeitsplatz natürlich in jedem Haus etwas anders aus. Normalerweise nähten Störschneiderinnen in der Küche am Küchentisch, bei großen, d. h. wohlhabenderen Bauern, durften sie in der guten Stube arbeiten. Arbeitsgeräte, die eine Störnäherin bei sich hatte, waren: eine Nähmaschine, eine kleine und eine große Schere, Schneiderkreide, Papierschnitte, Nähnadeln, Stecknadeln und ein Maßband. Alles andere wie Stoffe, Fäden, Knöpfe, Futterstoffe, Borten oder Gummibänder mußten von der Kundschaft gekauft oder zur Verfügung gestellt werden. Jede Meisterin hatte ihre eigene Nähmaschine, die sie von Arbeitsplatz zu Arbeitsplatz trug. Angefangen von Ausbesserungs- und Flickarbeiten über das Fertigen von Kleidern, Hemden, Schürzen, Vorhängen, Kinderkleidung und Haushaltswäsche über das Nähen von Aussteuer bis zum Einrichten eines Kammerwagens mußte eine Näherin praktisch alles beherrschen. Dazu war sie eine wichtige Überbringerin von Neuigkeiten, ging sie doch immer von einem Bauernhof zum anderen und hatte bestimmt über ihre jeweiligen Arbeitgeber Interessantes zu erzählen.

Austragsstüberl
Die Kammer, die jetzt als Austragsstüberl eingerichtet ist, war seit über 40 Jahren nicht mehr bewohnt. In früheren Zeiten dürfte sie als Dienstbotenkammer oder Schlafzimmer gedient haben, die letzten Jahre war sie nur noch Abstellplatz. 1945, nach dem Krieg, als viele Vertriebene aus den Ostgebieten auch in Altdorfer Häusern zwangseinquartiert wurden, wohnte hier eine Familie. Vater, Mutter, ein 14jähriger Bub und seine kleine 2jährige Schwester teilten sich das winzige Zimmer. Über 4 Jahre lang wohnten vier Personen hier oben, ohne Strom, ohne Licht, ohne fließendes Wasser. Bad oder Toilette gab es im ganzen Haus nicht. Ein kleiner Ofen, Tisch, Schrank, zwei Betten und ein Kinderbett waren alles, was diese Familie an Mobiliar hatte. Dieses Austragsstüberl wurde so eingerichtet, wie es alte Leute beschrieben haben. Bett, Schrank oder Truhe, Tisch und Stuhl waren das Wichtigste in den oft sehr kleinen Kammern. Ein Ofen war meistens gar nicht vorhanden, denn die Mahlzeiten wurden für alle im Haus gekocht und gemeinsam am Tisch in der Küche eingenommen. Die alten Leuten waren daher nur zum Schlafen in ihren Kammern, tagsüber machten sie sich nützlich in Haus und Hof, solange es die Gesundheit erlaubte.

Dokumente aus der Haus- und Hofgeschichte, bisher in der angrenzenden Kammer in Vitrinen untergebracht, weisen hin auf die erste urkundliche Nennung des „Oswald-Gütls" von 1464. Die Felder, Wiesen und Weinberge, die zum Anwesen gehörten bzw. noch gehören, sind auf Landkarten farbig gekennzeichnet. Gebetbücher, Briefe, Reiseandenken, ein Handwerks-Meisterbrief sowie persönliche Gegenstände aus dem privaten Bereich der Adlhoch-Schwestern sind ebenfalls hier untergebracht.

Spitzgiebel
Im Spitzgiebel, unter dem Dach, befand sich bis 2001 eine Fotoausstellung mit Motiven aus Altdorf, Eugenbach und Pfettrach. Des weiteren wird der Platz als kleines Übergangsdepot für neue Schenkungen oder Leihgaben genützt.

Aussenbereich / Garten
Weil schon immer bei jedem Bauernhaus ein kleiner Garten war, wurden auch hier Beete für Gemüse und Krauter angelegt und ein Wassergrand aufgestellt. Zwischen niedrigen Buchsbaumhecken wachsen allerlei Blumen, zur Zierde, aber auch um die Vielfalt der Heil- und Nutzpflanzen früherer Bauerngärten zu zeigen. Uralte Nahrungsmittel wie Emmer, Einkorn und Hirse sowie Bohnen, Erbsen, Mohn und Flachs gedeihen ebenso wie Kartoffeln, Tomaten und Kraut. Im hangseitigen Teil des Grundstückes wachsen Apfelbäume, Holunder- und Haselsträucher sowie Weinstöcke.