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Die Sonderausstellung „Das Baderwesen in Altdorf, Pfettrach und Eugenbach“ im Heimatmuseum „Adlhoch-Haus“ stieß gleich am ersten Ausstellungstag auf großes Besucherinteresse. Weit über hundert Interessierte fanden sich ein, um die auf zahlreichen Stellwänden zu sehenden drei ehemaligen Bader-Hofstellen mit vielen historischen Übersichten sowie die in den Vitrinen liegenden Utensilien des früheren Friseurhandwerks zu bestaunen. Zusammengestellt hat die Ausstellung Hans Seidl, Kreis-Archivpfleger und dritter Vorsitzender des Heimat- und Museumsvereins.
Ida Forster, erste Vorsitzende des veranstaltenden Heimat- und Museumsvereins, begrüßte die erschienenen Mitglieder des Marktgemeinderates mit den Bürgermeistern Franz Kainz und Willi Gürtner, mehrere Vertreter des örtlichen Friseurhandwerks und die zahlreichen Ausstellungsbesucher. Bürgermeister Franz Kainz dankte im Namen der Marktgemeinde dem Organisator des Ausstellung, Hans Seidl, für die viele Arbeit, die er während seiner Freizeit für das Zustandekommen dieser Präsentation aufgewendet habe, sowie den Verantwortlichen des Heimat- und Museumsvereins, deren Tätigkeit für das Renommee des Marktes Altdorf nicht hoch genug einzuschätzen sei. Er wünsche der Ausstellung viele interessierte Besucher und einen guten Verlauf. Ausstellungsorganisator Hans Seidl dankte dem Heimatforscher Ernst Gruß, mit dem er in den vergangenen Jahren mehrere Ausstellungen durchführte, für die Zurverfügungstellung der großformatigen historischen Bilder über die ehemaligen Bader-Hofstellen, sowie den Friseurmeistern Josef und Gerhard Reiter für die Überlassung der Utensilien aus dem Friseurhandwerk von Mitte des 20.Jahrhunderts. Jede der drei ehemaligen Gemeinden hatte einen ortsansässigen Bader, sagte Hans Seidl. Mit dieser Ausstellung versuche er nahe zu bringen, wie das früher war. Die Bader und Barbiere seien früher Dienstleister gewesen, zu deren Aufgaben das Rasieren, Baden, Schröpfen, Zähneziehen und kleinere ärztliche Verrichtungen gehörten, sagte Hans Seidl. Von den Bauern wurden sie früher mit Getreideabgaben bezahlt sowie durch Holzabgaben für das Einheizen des Badeofens. Die Bevölkerung hatte einmal in der Woche Anspruch auf das Baden. Es gehörte zur Grundversorgung. Dafür mussten alle zahlen. Auch das Gesinde. Hans Seidl machte auf die Stellwände im Erdgeschoss aufmerksam, je zwei für die Ortsteile Altdorf, Pfettrach und Eugenbach. Auf diesen sind die Besitzerfolgen der drei Bader-Hofstellen mit Briefprotokollen über Kauf und Übergabe, die Baupläne der Hofstellen aus dem Zeitraum von 1871 bis 1930, Katasterpläne von 1812 mit Lage der jeweiligen Badhäuser, genealogische Übersichten mit Hochzeits-, Geburts- und Sterbedaten sowie Herkunftsorte der Bader, ferner die Ehaftsordnungen mit den jeweiligen Pflichten und Rechten der Bader von Altdorf von 1489, von Pfettrach vom 15.9.1786 und von Eugenbach von 1617 zu sehen. Auch einige Rechtsstreitigkeiten und deren gerichtliche Regulierung sind dokumentiert. An den Schautafeln im Obergeschoss sind die Tätigkeiten von Badern, Barbieren und Feldscherern in Wort und Bild zu sehen. Abbildungen von einer Aderlassschale, von Schröpfköpfen, Haarseilzangen, chirurgischem Besteck sind ebenso vorhanden wie das Aufsetzen von Schröpftöpfen, der Aderlaß an einer Frau und ein Männerbad von Anfang des 16. Jahrhunderts sowie über Körperpflege und Kleidung in verschiedenen Zeitepochen wie Gotik und Renaissance. In mehreren Vitrinen ist Literatur über das Baderwesen ausgestellt sowie alte Friseurgeräte wie Scheren, Kämme, Handschneidgeräte, Rasiermesser sowie Hölzer und Bänder zum Messerschleifen. Die Friseurmeister Josef und Gerhard Reiter erklärten den aufmerksam lauschenden Zuhörern die Arbeit mit den alten Geräten aus der Nachkriegszeit. Dabei erfuhr man, dass die Handgeräte oft Sehnenscheidenentzündungen verursachten. Die Arbeit, bei der auch handgeschmiedete Scheren verwendet wurden, war jedenfalls viel anstrengender als heute. So brachte die Anschaffung des ersten elektrischen Schneidegeräts – das auch in der Ausstellung zu sehen ist – bei Friseur Reiter in den 50er-Jahren eine enorme Erleichterung für Friseur und Kunden, erzählte Josef Reiter. Das Gerät kostete 500 Mark – damals ein kleines Vermögen. Die Sonderausstellung über das Baderwesen ist noch am 26.September, jeweils von 14 bis 17 Uhr, im Altdorfer Heimatmuseum zu sehen.
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