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Museum wurde mit Sonderschau eröffnet
"Aich und Ganslberg" im Blickpunkt - Einst "ältestes Haus Mitteleuropas”

Eine gelungene Saisoneröffnung für die heurigen "Tage der offenen Tür" im Altdorfer Museum erlebte der Heimat- und Museumsverein. Bei schon frühsommerlicher Witterung steuerten am Ostermontag viele an der Heimatgeschichte interessierte Besucher das "Adlhoch-Haus" an. Zweifelsohne hat dazu, wie Vorsitzender Hans Seid! erfreut feststellte, auch die gleichzeitig eröffnete Sonderschau "Aich und Ganslberg in Bild und Schrift" beigetragen.

Ausstellungseröffnung AichKreisarchivpfleger Hans Seidl und Heimatbuchautor Ernst Gruß haben eifrig in alten Unterlagen gestöbert. Urkunden, Briefprotokolle, Steuerlisten und Besitzerfolgen geben Aufschluss über eine fünfhundertjährige Geschichte der beiden Ortsteile Aich und Ganslberg. Dabei werden diese Dokumente auch mit vielen Lichtbildern ergänzt.

Bei der Erläuterung der Sonderschau verwies Hans Seidl auf den um das Jahr 1800 vorhandenen Bestand dieser beiden Ortsteile. Demnach waren damals in Aich vier und in Ganslberg neun Hofstellen vorhanden. Diese hatten allesamt einen fremden Obereigentümer. Erst mit der "Bauernbefreiung 1848" wurden die Besitzer zumeist auch Eigentümer dieser Hofstellen. Alte Hofnamen sind, wenn man die Eigentums- und Heimatgeschichte nicht näher kennt, nicht so einfach zu deuten, gab Hans Seidl zu verstehen. Nach seiner Aussage seien die Bayern bekanntermaßen "redefaul" gewesen und haben deshalb alte Hofnamen oft nur verkürzt wiedergegeben. So zitierte der Archivpfleger den "Spilmoa-Hof" (Spitalmeister-Hof) von Aich, der einst zum Heilig-Geist-Spital in Landshut zu dessen Versorgung gehörte und heute von der "Familie Wiethaler/Stix" bewirtschaftet wird. Der Aicher "Waslmaier-Hof", heute im Eigentum der Familie Gebendorfer, deutet auf einen Bauernhof in der Wasen (Wiesen) hin.

Auch von alten Streitigkeiten berichtete Hans Seidl. So ging es 1660 gerichtlich um das Weiderecht bei Aich für Rössel'. Dieses machte der pfettracher Adelige den dortigen Bauern
streitig. Hierüber liegen, so der Archivpfleger, noch viele Dokumente vor. Gegenseitig sei die Glaubwürdigkeit der aufgebotenen Zeugen in Frage gestellt worden. Am Schluss ist dann doch der pfettracher Adelige in diesem Weiderechts-Streit unterlegen.

Recht anschaulich schilderte Hans Seidl auch die "Drei-Felderwirtschaft" mit Sommer-, Winter und Brachfeldern. Die übliche Flächenbemessung der Grundstücke mit "Bifang" und den im Vergleich zu den heutigen Verhältnissen damals teueren Getreidepreisen ist kaum mehr erklärbar, folgerte der Kreisarchivpfleger. Auch die eigenartige Gemarkungsabgrenzung in Ganslberg, bei der das Gehöft der "Familie Schließ/Franz" zu Pfettrach gehörte, wirkte über Jahrhunderte hinweg bis zur Gebietsreform 1971. In seinem Grußwort zu dieser Museums- und Ausstellungseröffnung lobte zweiter Bürgermeister Helmut Maier das Engagement des Heimat- und Museumsvereins, der damit mithelfe, das Geschichtsbewusstsein zu schärfen. Auch Monika Weigl verwies darauf, dass inzwischen ein großer Bogen um die Heimatgeschichte von 7500 Jahren gespannt werden könne. Vieles deutet, so die Museumsleiterin, darauf hin, dass im Bereich der heutigen Autobahn-Auffahrt Aich einst das "älteste Haus Mitteleuropas" gestanden hat. Diese Erkenntnisse werden derzeit wissenschaftlich ausgewertet, dokumentiert und dann zu gegebener Zeit der Öffentlichkeit vorgestellt, ließ Monika Weigl aufhorchen.

Unbestritten birgt das Kellergeschoss, ein ehemaliger Weinkeller der damals nahen Burganlage, die bedeutendsten Ausstellungsgegenstände. Archäologische Funde aus acht Jahrtausenden, wie Heimatbuchautor Ernst Gruß bei seinen Führungen erläuterte, sind dort zu besichtigen. Dazu ist auch bei den nächsten Museumsöffnungen am 15. und 29. Mai ausführlich Gelegenheit, bei denen auch noch die Sonderschau zu sehen sein wird.
LZ v. 29.04.2011